Regrowen für Einsteiger:
Gemüse aus Essensresten züchten

Do it yourself anleitung

Ist alles in der Biotonne wirklich Abfall? Nicht unbedingt! Viele Gemüsereste können unter den richtigen Bedingungen nochmals neu austreiben. Dieser nachhaltige Trend, bekannt unter dem Stichwort “Regrowen”, sorgt für weniger Küchenabfall und verwandelt Eure Fensterbank in einen kleinen Gemüsegarten. Wir zeigen Euch in dieser Anleitung, wie Ihr Frühlingszwiebeln, Romana-Salat und Kräutern neues Leben schenken könnt.

 

 

Einen Garten oder Balkon braucht Ihr für das Nachzüchten von Gemüse nicht, denn schon ein heller Platz auf der Fensterbank ist vollkommen ausreichend. Euren Gesamtbedarf an Gemüse werdet Ihr alleine durch das Regrowen nicht decken können, dafür macht es aber Spaß das Wachstum der Pflanzen zu beobachten und mit verschiedenen Gemüsesorten zu experimentieren.


Ihr wollt mehr über das Wachstum von Pflanzen erfahren?

Warum wächst die Frühlingszwiebel weiter? Was ist vegetative Vermehrung? 
Wozu braucht eine Pflanze eigentlich Samen? All das sind Fragen, die wir Euch unten in den Zusatzinformationen beantworten. Außerdem findet Ihr dort Links zu Infomaterial, das wir online zum Thema aufgestöbert haben!


Auf einen Blick

  • Geeignet für Altersgruppe: ab 6 Jahren

  • Besonders interessant für: Hobbygärtner*innen, Pflanzenfreund*innen und alle, die gerne Gemüse essen

  • Dauer: 10 min Vorbereitung + jeden Tag etwas Zeit zur Pflege der Pflanzen


Material

  • Gebraucht wird:

  • Gemüsereste (z.B. Wurzelende von Frühlingszwiebeln, Salatstrunk)

  • Gläser

  • Pflanzgefäße

  • Pflanzerde oder Anzuchterde

  • Etwas Leitungswasser

  • Heller Platz auf der Fensterbank


Ablauf

Frühlingszwiebeln

Frühlingszwiebeln sind für Euren Einstieg ins Regrowen bestens geeignet, da Ihr schon nach kurzer Zeit Erfolge sehen könnt.


Schritt 1: Vorbereitung

Schneidet mit dem Messer von einer Frühlingszwiebel die unteren 5 cm mit den Wurzeln ab. Für das Wachstum der Frühlingszwiebel ist es vorteilhaft, wenn die Wurzeln noch frisch und kräftig sind. Den oberen Teil der Frühlingszwiebel könnt Ihr zum Kochen oder für einen Salat verwenden.


Schritt 2: Wässern

Stellt die Wurzelenden in ein Gefäß mit Leitungswasser und lasst die Wurzeln etwa 5 Tage lang an einem hellen Platz, zum Beispiel auf der Fensterbank, stehen.
Das Wasser sollte täglich gewechselt werden, damit die Wurzeln nicht anfangen zu faulen.


Schritt 3: Umpflanzen

Nach einigen Tagen werden die Wurzeln kräftiger und Ihr könnt die Frühlingszwiebeln in die Erde pflanzen. Besonders gut eignet sich Anzuchterde, da diese nährstoffarm ist und sich daher die Wurzeln stärker ausbilden. Achtet dabei darauf, dass die Wurzeln vollständig von Erde bedeckt sind, der obere Teil der Pflanze aber herausschaut.

Alternative

Die Frühlingszwiebeln muss man nicht unbedingt in Erde umpflanzen. Sie wachsen auch im Wassergefäß nach, aber der Geschmack wird durch die geringere Nährstoffversorgung weniger intensiv.


Schritt 4: Ernten

Schon bald könnt Ihr entweder die gesamte Frühlingszwiebel ernten oder den grünen Teil mit einem Messer abschneiden und den Rest nochmals austreiben lassen.

Tipp

Nach dem gleichen Prinzip lässt sich z.B auch Lauch nachzüchten.


Romana-Salat

Romana-Salat ist eine vielseitige und beliebte Salatsorte, die sich sehr gut für das Regrowen eignet.


Schritt 1: Vorbereitung

Um Romana-Salat nachwachsen zu lassen, wird der Strunk des Salates benötigt. Diesen solltet Ihr mit einem geraden Schnitt von den restlichen Blättern trennen. Der Strunk des Salates sollte noch etwa 5 cm hoch sein, denn wenn er kürzer abgeschnitten wird, erschwert dies den Wiederaustrieb.


Schritt 2: Wässern

Auch der Salatstrunk kommt in ein Gefäß mit Wasser, sodass etwa die Hälfte des Strunks im Wasser steht. Sucht für Euren Salat einen hellen Platz am Fenster und wechselt das Wasser mindestens alle 2 Tage. Schon nach etwa einer Woche sind am Strunk feine Wurzeln zu sehen.

Schritt 3: Umpflanzen

Sobald Ihr die Wurzeln sehen könnt, ist es an der Zeit den Salat in die Erde zu pflanzen.
Hierbei ist es wichtig, dass die nachwachsenden Blätter aus der Erde schauen.



Schritt 4: Ernten

Schon bald werdet Ihr die kleinen Blätter, die aus dem Strunk herauswachsen, ernten können.


Kräuter: Minze

Kräuter nachwachsen zu lassen erfordert etwas mehr Geduld, dafür könnt Ihr mit diesem Prinzip ganz verschiedene Arten nachzüchten.
Im Supermarkt werden Kräuter oft in Plastikverpackungen verkauft. Da man gerade von Kräutern oft nur kleine Mengen benötigt, lohnt es sich hier besonders diese selber anzubauen und nach Bedarf zu ernten.


Schritt 1: Vorbereitung

Kräuter kann man mit Hilfe von Stecklingen vermehren. Dafür eignen sich verschiedene Kräuter, z.B. Rosmarin, Basilikum oder auch Minze. Schneidet mit dem Messer einen kräftigen Trieb von etwa 10 cm Länge ab. Wenn Ihr den Schnitt unterhalb einer Verzweigungsstelle setzt, erleichtert ihr der Pflanze die Bildung der Wurzeln.


Schritt 2: Wässern

Stellt diesen Trieb in eine kleine Flasche/ eine kleine Vase mit nicht allzu kaltem Wasser.
Das untere Ende Eures Triebes sollte immer im Wasser stehen und das Wasser sollte regelmäßig gewechselt werden. Bis sich erste Wurzeln zeigen dauert es meist etwas.
Es kann hilfreich sein, einige von den oberen Blättern zu entfernen, um die Bewurzelung zu beschleunigen.


Schritt 3: Umpflanzen

Beobachtet Euren Steckling. Wenn sich Wurzeln bilden, sollte er in Erde gepflanzt werden. Auch hier empfiehlt sich Anzucht- oder Kräutererde. Vertrocknete Blätter könnt Ihr entfernen. Wenn der Steckling gut mit Wasser versorgt wird, kann schon bald eine neue Pflanze wachsen.


Viel Spaß
beim Regrowen!


Erfahrt mehr!

Warum wächst die Frühlingszwiebel weiter?

Damit eine Pflanze wachsen kann, muss sie teilungsfähiges (meristematisches) Gewebe besitzen. In den unteren Sprossteilen der Frühlingszwiebeln oder auch im Salatstrunk sind diese teilungsfähigen Zellen vorhanden. Wenn die Zellen mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden, können sie ganz verschiedene Zelltypen hervorbringen und so wachsen Teile der Pflanze nach.
Da jede Zelle die gesamte genetische Information eines Lebewesens enthält, können so zum Beispiel Wurzel-, Spross- oder auch Blattzellen gebildet werden und das Gemüse wächst weiter!

Wie vermehrt sich eine Pflanze?

Einige Pflanzen können sich aus sich selbst heraus vermehren.
Diese Art der Vermehrung ohne Bildung eines Samens nennt man “vegetative” Vermehrung. Genetisch bedeutet das, dass die neue Pflanze ein Klon der Mutterpflanze ist, also genau das gleiche Erbgut trägt. Eine sehr bekannte Kulturpflanze, die fast ausschließlich vegetativ vermehrt wird, ist die Kartoffel. Beim Anbau von Kartoffeln werden Knollen in die Erde gepflanzt und aus diesen Knollen entwickelt sich eine neue Kartoffelpflanze.

Wozu braucht die Pflanze dann eigentlich Samen?

Im Gartencenter findet man Tüten mit Samen für den Anbau von verschiedenen Gemüsesorten. Aus diesen Samen wächst bei guter Pflege eine neue Pflanze, denn die Samen enthalten die gesamte genetische Information einer Pflanze, die sie benötigt um Wurzeln, Blätter, Spross, Blüten und Früchte auszubilden. Im Fall einer Vermehrung über Samen ist die genetische Information eine Mischung aus der Erbinformation einer Mutter- und einer Vaterpflanze.  Im Gegensatz zur vegetativen Vermehrung nennt man dies “generative” oder auch geschlechtliche Vermehrung.
Der Vorteil dieser generativen Vermehrungsweise ist, dass sie durch die Durchmischung von Genen für mehr Vielfalt sorgt als die vegetative Vermehrung.







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